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Der Online Handel mit Welpen in Europa erwirtschaftet jährlich Schätzungen zufolge mehr als eine Milliarde Euro. Hunde gehören zur Familie, sie sind treue Wegbegleiter und für viele Menschen der beste Freund. Doch leider kommt es auch immer wieder vor, dass Besitzer ihre Hunde aussetzen, Vermehrer Welpen unter unmenschlichen Bedingungen wie Massenware produzieren und Hunde aus dem Ausland schlimme Krankheiten mit ins Land bringen. Die Ursache ist meistens nicht zurück zu verfolgen. Deshalb ist es wichtig seinen Hund zu chippen und zu registrieren.

Was ist ein Chip beim Hund?

Ein Hundechip ist notwendig, um das Tier eindeutig identifizieren zu können. Dabei handelt es sich um einen winzigen Transponder, der dem Hund vom Tierarzt unter die Haut implantiert wird.

Viele Menschen lassen – aus Angst ihren Hund mit dem Chip zu schaden – ihren Vierbeiner lieber tätowieren als chippen. Davon ist abzuraten. Anders als bei Tätowierungen halten Chips ein Leben lang. Tätowierungen beim Tier verblassen mit der Zeit. Auch Adressanhänger am Halsband sind ein beliebter Weg, um Tiere ihrem Besitzer zuordenbar zu machen. Adressanhänger können jedoch leicht verloren gehen. Dieses Risiko besteht mit einem Chip nicht.

Auf einem Chip ist eine Nummer gespeichert. Mit einem speziellen Lesegerät lässt sich diese Mikrochipnummer jederzeit auslesen, sodass vermisste Tiere schnell wieder zu ihren Besitzern kommen können. Diese Nummer kann in einem entsprechenden Haustierregister mit den Daten zum Tier und dessen Besitzer vermerkt werden. Wichtig ist vor allem das Registrieren in einer Datenbank, damit der Chip zur Rückvermittlung geeignet ist. Die Daten auf dem Chip sollten regelmäßig aktualisiert werden. Die – meist 15-stellige Nummer – kann bei einer Registrierung dabei helfen, vermisste Tiere zu finden und ist in vielen Bundesländern Pflicht. Die Registrierung in einem Haustierregister allerdings ist derzeit lediglich in Niedersachsen gesetzlich vorgeschrieben.

Warum sollte man seinen Hund chippen lassen?

Der illegale Welpenhandel ist einer der größten Schwarzmärkte Europas. Welpen werden in Massen im Ausland „produziert“ und dann durch ganz Europa transportiert und verkauft. Das Tierwohl steht dabei an letzter Stelle. Dieses Problem ist mit dem Online Handel gewachsen. Online lässt sich häufig nur schwer nachvollziehen, woher der neue Welpe kommt und unter was für Bedingungen er aufgewachsen ist.

Die Welpen werden in der Regel zu früh von Müttern getrennt, erleiden kräftezehrende Transporte und sind aufgrund der fehlenden medizinischen Versorgung oder Impfungen oftmals schwerkrank. Gelegentlich bringen sie sogar Krankheiten, wie die gefährliche und hochansteckende Staupe, Parvovirose oder sogar Tollwut, mit. Die meisten dieser Hunde haben keinen Ausweis oder Impfdokumente. Impulskäufe und fehlende Rückverfolgbarkeit machen es den Betrügern leicht. Mit Hilfe eines Hundechips lassen sich viele wichtige Informationen speichern.

Die Kosten, wenn man seinen Hund chippen lassen möchte, liegen bei rund 40€ – 60€. Der Hund spürt den Chip später nicht – egal, ob es sich um einen kleinen oder großen Hund handelt. Für Reisen mit dem Hund in EU-Länder ist es außerdem Pflicht, dass Hunde einen transplantierten Chip und einen EU-Heimtierausweis besitzen. Innerhalb von Deutschland ist dies aktuell unterschiedlich geregelt.

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Die Prozedur beim Hund chippen

Der Hundechip ist in etwa 12 x 2 mm groß. Die Prozedur des Hunde chippens wird meistens, wie bei Katzen auch, ohne Narkose durchgeführt. Der behandelnde Tierarzt führt den Chip mit einer Kanüle am Nacken des Tieres, oberhalb der Schulter, unter das Fell in das Gewebe ein. Dort bleibt der Chip in der Regel das restliche Hundeleben, nur selten wandert der Chip unter der Haut noch weiter. Für das Tier fühlt sich das Hund chippen wie eine Impfung an und verursacht keine schlimmeren Schmerzen.

Nach dem Einsetzen des Chips muss der Hundehalter sich und seinen Hund noch registrieren. Der Codes des Chips alleine ist „wertlos“, solange die Daten noch nicht in einer entsprechenden Datenbank gesichert werden. In Deutschland ist die Registrierung über das Deutsche Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, das Tierregister des TASSO oder auch die Internationale Zentrale Tierregistrierung möglich. Die Übermittlung der Daten in eine Datenbank übernimmt der Halter.

Sicherheit: Illegale Händler erkennen

Das Geschäft um illegale Hundewelpen boomt. Hunde werden für 50 Euro gekauft und dann für über 1.000 Euro verkauft und vermehrt. Händler gehen so weit; sich als seriöse, private Züchter auszugeben und Immobilien anzumieten, um so ihre Kunden zu täuschen. Gerade im Online Handel ist es für den Endverbraucher oft schwer, die Herkunft eines Hundes nachzuverfolgen. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, einen Hund aus Mitleid zu kaufen, denn das befeuert den unseriösen Handel. Eine Chip- und Registrierungspflicht kann diesem Problem entgegenwirken. Nicht nur soll das Chippen und Registrieren dabei helfen, seinen Liebling jederzeit wiederzufinden, die Daten können auch den seriösen Handel stärken und dem Handel auf dem Schwarzmarkt ein Ende bereiten.

Die VIER PFOTEN Modelllösung

Um unseriösem Handel und dem Schwarzmarkt für Hunde vorzubeugen, arbeitet edogs mit VIER PFOTEN zusammen, um ein Pionierprojekt umzusetzen. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Modelllösung für eine vollständige Rückverfolgbarkeit des EU-weiten Online-Welpenhandels. Dafür arbeitet VIER PFOTEN zusammen mit K&R Datenbanken – der Kennzeichnung und Registrierung von Hunden, Kleinanzeigen-Plattformen und nationalen Regierungen. Eine weitere Chance für das Modell ist die EU-Verordnung Tiergesundheitsrecht (eng.: Animal Health Law). Das Animal Health Law ist eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zu Tierseuchen und zur Änderung und Aufhebung einiger Rechtsakte im Bereich der Tiergesundheit. Es besagt, dass Händler und Züchter von Hunden ihre Unternehmen zentral melden müssen. Der Chip und die Registrierung sollen bessere Kontrollen im Online-Handel und eine Rückverfolgbarkeit verkaufter Tiere und ihrer Verkäufer ermöglichen.

Die Vorteile

  • Schutz der Bevölkerung vor Zoonosen wie Tollwut
  • Prävention von Bio-Kriminalität zwischen den Mitgliedsstaaten
  • Möglichkeit für Behörden, die Herkunft kranker Tiere, die eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen, zurückzuverfolgen
  • Möglichkeit für Behörden, Akteure zu identifizieren, die an betrügerischen Aktivitäten beteiligt sind
  • Erhöhte Steuereinnahmen für Regierungen, aufgrund der Identifizierung gewerblicher Verkäufer
  • Illegale Welpenhändler werden vom Markt ausgeschlossen
  • Schutz der Konsumenten vor dem Kauf illegal importiert und potenziell kranker Hunde
  • Schutz verantwortungsbewusster Züchter vor unfairem Wettbewerb

Die EU-Verordnung verpflichtet alle Sammelstellen wie Tierheime, Züchter und gewerblichen Verkäufer von Hunden, Katzen und Frettchen, ihre Betriebe bei der zuständigen Behörde in einer nationalen Datenbank zu registrieren. Jeder Betrieb bekommt daraufhin eine individuelle Registrierungsnummer.

Der Ablauf eines Online Hundeverkaufs gemäß der VIER PFOTEN Modelllösung ist simpel:

  1. Züchter & gewerbliche Verkäufer werden verpflichtet ihre Betriebe in der nationalen Betriebsregistrierungsdatenbank erfassen zu lassen.
  2. Die Betriebsregistrierungsdatenbank erstellt eine einzigartige Registrierungsnummer für jeden Betrieb.
  3. Private Halter sollen sich verpflichtend in einer K&R-Datenbank mit ihrem Tier registrieren.
  4. Der Züchter/Erstbesitzer bringt den Welpen zum Mikrochippen zum Tierarzt.
  5. Der Tierarzt setzt einen Transponder mit einzigartiger Mikrochipnummer.
  6. Tierarzt und Züchter/Erstbesitzer werden in der K&R-Datenbank vermerkt. Ebenfalls wird die Betriebsregistrierungsnummer vermerkt, sollte der Besitzer gewerblicher Händler sein.
  7. Alle nachfolgenden Besitzer/Tierheime/Verkäufer werden hier ebenfalls eingetragen.
  8. Eine internationale Schnittstelle, z.B. Europetnet, kann auf die Daten in der K&R-Datenbank zugreifen. Die Mikrochipnummer, eine einfache Identitätsprüfung für Pivatanbieter (idealerweise mittels PIN, den der Besitzer von der K&R Datenbank bekommt) und die Betriebsregistrierungsnummer für gewerbliche Anbieter müssen beim Verkauf online angegeben werden, bevor die Anzeige live gehen kann.
  9. Der Datensatz wird an Europetnet gesendet, wo die Überprüfung automatisiert stattfindet.
  10. Nach erfolgreicher Prüfung wird die Anzeige daraufhin freigeschaltet, ansonsten wird die Anzeige gelöscht.
  11. Der Verkauf kann abgewickelt werden.

Dieser Prozess soll ermöglichen, dass unseriöse Anbieter identifiziert und langfristig vom Markt ausgeschlossen werden. Die zuständigen Behörden erhalten bei Problemen nach dem Kauf und etwaigen Betrugsfällen zuverlässige Daten über die Verkäufer und können rechtliche Maßnahmen ergreifen. Um den Hundekauf und Verkauf nachhaltig sicherer zu machen sowie dem Hundewohl zu Gute zu kommen, ist eine Regulierung des Online-Handels dringend nötig.

Beim Hunde chippen wird dem Hund nicht weh getan. Im Falle eines Verlustes hilft nur die vorherige Registrierung der Chipnummer. Der Prozess hilft dem Tier und dem Besitzer dabei, gemeinsam auch langfristig glücklich zu sein.

VIER PFOTEN

VIER PFOTEN ist die starke, globale und unabhängige Stimme für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss. Die Vision von VIER PFOTEN ist eine Welt, in der Menschen den Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen.
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