Jagdhunde – wahre Spezialisten in der Natur

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“Jagd ohne Hund ist Schund” – diesen Spruch kennt wohl jeder Jäger. Wer einen Jagdhund zur Verfügung hat, profitiert von wahren Profis der Natur und kann seine Jagd maßgeblich präzisieren. 

Jagdhunde – Wieso, weshalb, warum? 

Im Wesentlichen werden Jagdhunde zur Unterstützung bei der Jagd eingesetzt. Sie leisten dabei einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit, da sie durch spezielle Züchtungen unterschiedlich ausgeprägte Eigenschaften mitbringen, die je nach Einsatzgebiet von Vorteil sind. 

Ein Hund für die Jagd gilt als Voraussetzung für eine waidgerechte Jagd. Somit sollen vor allem Tierschutz und Umweltschutz in der Jagd sichergestellt werden. Diese Punkte sind auch im Bundesjagdgesetz verankert. In jedem Bundesland ist gibt es eigene Regelungen, in denen der Einsatz eines solchen Hundes vorgeschrieben wird. 

Immer wichtiger wird den Jägern einen brauchbaren Jagdhund bei der Jagd dabei zu haben. Bei der Treib-, Such- und Drückjagd sowie beim Nachsuchen dürfen nur Hunde eingesetzt werden, deren jagdliche Brauchbarkeit geprüft worden ist. 

Die Einsatzgebiete von Jagdhunden

Der Wald

Das wohl bekannteste Einsatzgebiet ist definitiv der Wald. Logisch, denn hier hält sich auch das meiste Wild auf. Dabei ist zwischen einer Ansitzjagd und der Bewegungsjagd zu unterscheiden.

Bei der Ansitzjagd lauert der Jäger dem Wild an geeigneter Stelle auf und erlegt es dann. Zu den Bewegungsjagden zählt die Treibjagd sowie zu den Beunruhigungsjagden die Drückjagd. Beide Arten verfolgen das Ziel, das Wild flüchtig zu machen. So kann das Wild vom Jäger erkannt werden. Besonders gut eignen sich hierfür stöbernde Hunde, die das Wild vor dem Schuss fährtenlaut vor das Gewehr des Jägers bringen. 

Auch ist das Einsatzgebiet der Rasse vom Zielwild abhängig: Für Schwarzwild, also zum Beispiel Wildschweinen, werden laut jagende und mutige Hunde bevorzugt. Bei Rehwild sind es kleine und langsam jagende, aber fährtenlaute Rassen. 

Das offene Feld 

Im offenen Feld, sprich zum Beispiel auf Stoppelfeldern, kommen die sogenannten “Vorstehhunde” zum Einsatz. Der Hund sucht systematisch die Fläche auf Niederwild ab und zeigt dem Jäger durch das Vorstehen, wo sich das Wild befindet. Erst auf Kommando des Jägers scheucht er dann das Wild auf. Ist das Wild erlegt, apportiert der Hund dieses. Er bringt das Wild eigenständig zum Jäger. 

Unter der Erde

Fuchs, Dachs und Waschbär bauen gerne unterirdisch – und somit muss auch dort gejagt werden. Dies wird auch als Baujagd bezeichnet. Hier eignen sich vor allem kleine Hunderassen, da diese besser in die engen Bauten kommen. Das Wild kann aus dem Bau herausgetrieben und dann erlegt werden. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Hund das Wild unter der Erde “stellt” und durch bellen vermerkt, wo er sich befindet. Der Jäger kann dann Hund und Wild ausgraben. 

Im Wasser 

Auch im Wasser muss es Hunde geben, die zuverlässig arbeiten. Dies ist zum Beispiel bei der Entenjagd von Bedeutung. Der Hund muss zum einen sicher schwimmen können. Zum anderen muss er aber vor allem die Fährte aufnehmen und verfolgen können. Anschließend soll er das erlegte Wild auch apportieren. Aufgrund von Schilf oder recht schwer zugänglichen Gewässern stellt das Einsatzgebiet im Wasser eine besondere Herausforderung dar. 

…und wie gefährlich ist der Einsatz bei der Jagd? 

Der Hund ist den natürlichen Gegebenheiten ausgesetzt. Das bedeutet, dass ihn im Wald vor allem Äste, Dornen und die Bodenbeschaffenheit verletzen können. Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Gefahr einer versehentlichen Schussverletzung oder Verletzungen, die durch Angriffe des gejagten Wildes zurückzuführen sind. Besonders Wildschweine und Wölfe können den Hunden gefährlich werden. 

Die Ausbildung eines Jagdhundes

In der Praxis wird viel von einem Jagdhund abverlangt. Deshalb ist eine solide Grundausbildung extrem wichtig. Diese beginnt schon im Welpenalter und ist meistens schon im Alter von zwei Jahren abgeschlossen. 

Geprüft werden die Fähigkeiten durch die sogenannte Brauchbarkeitsprüfung. Die Grundsätze einer waidgerechten Jagd sind im Bundesjagdgesetz verankert. Jedes einzelne Bundesland bietet die entsprechende Prüfung an, welche unter das Landesjagdgesetz fallen. Wichtig ist, dass die jagdliche Brauchbarkeit bestätigt wird, da ein nicht entsprechend oder falsch ausgebildeter Jagdhund kontraproduktiv sein kann. 

Ganz besonders wichtig ist ein zuverlässiger Gehorsam. Zu den Basics gehören neben der Schussfestigkeit, eine gute Leinenführigkeit, einer Reaktion auf einen Pfiff sowie zuverlässiges Ablegen. Je nach Einsatzgebiet muss der Jagdhund an Land und im Wasser apportieren können. 

Ausbildungsziele, die darüber hinausgehen, sind vom Einsatzbereich abhängig. Durchsetzung, Konsequenz, eine ruhige Hand und ein liebevoller Umgang sind die Grundzutaten einer soliden Ausbildung. 

Doch wie gehe ich am sinnvollsten an die Ausbildung heran? Sinnvoll ist die Teilnahme an einem Hundeführerlehrgang. Sollte dies nicht möglich sein, kann auch ein eigener Plan aufgestellt werden. In diesem sollte sich an der bevorstehenden Prüfung orientiert werden. 

Auf Basis der Prüfungsziele kann dann ein konkreter Plan mit Datum und Ausbildungsinhalt formuliert werden. Wichtig ist, dass der Hund sich nicht überfordert fühlt, da Überforderung schnell zu Verwirrung führen kann. 

Es ist also eine strukturierte, konsequente Ausbildung notwendig, in welcher grundsätzlich aber der Hund das Tempo vorgibt

Worauf sollte beim Kauf eines Jagdhundes besonders geachtet werden? 

  • Der Züchter ist im besten Fall ebenfalls Jäger und der Zuchtverband Mitglied im Jagdgebrauchshundeverband.
  • Die Elterntiere sollten ebenfalls der Jagd dienen. So kann erkannt werden, ob der Hund der jagdlichen Brauchbarkeit entspricht.
  • Eine umfassende Beratung über Rasse und Einsatzgebiet ist sehr zu empfehlen. 
  • Der Hund sollte zu den eigenen jagdlichen Interessen und späteren Einsatzgebieten passen.
  • Egal ob Welpe oder erwachsener Hund: Die Erziehung hört nie auf und eine gute Ausbildung kostet Zeit
  • Der Hund benötigt viel Auslaufmöglichkeiten und sollte von klein auf den Kontakt zur Natur bekommen. 
  • Der Hund sollte in die Familie integriert sein, denn so wird eine intensive Bindung zwischen Hund und Jäger erzeugt. 

Welche Arten gibt es? 

Die Vorstehhunde 

Sie gelten als Allrounder und werden auch Vollgebrauchshunde genannt. Ihre Fähigkeit, lebendiges und erlegtes Wild aufspüren und finden zu können, zeichnet sie aus.

Deutsch Drahthaar, Deutsch Langhaar, Deutsch Kurzhaar, Deutsch Stichelhaar, Pudelpointer, Großer Münsterländer, Weimaraner, kleiner Münsterländer, Griffon, Magyar Vizsla, Epagneul Breton, Braque Francais, Irish Red Setter, Gordon Setter, English Setter und English Pointer.

Die Schweißhunde 

Diese Hunde bringen eine ruhige Art mit und können besonders gut Fährten aufnehmen. Somit sind sie die Spezialisten für die Nachsuchenarbeit.

Hannoverscher Schweißhund und der Bayerische Gebirgsschweißhund.

Die Bracken

Zu den sogenannten “Bracken” zählen die ältesten Jagdhunderassen. Sie sind besonders fährtentreu und werden für Hoch- und Niederwild eingesetzt. 

Deutsche Bracke, steirische Rauhaarbracke, Schwarzwildbracke, Alpenländische Dachsbracke, Brandlbracke, tiroler Bracke, Westfälische Dachsbracke und Beagle.

Die Stöberhunde

Ursprünglich wurden die Stöberhunde vor allem vor dem Schuss zum Aufsuchen von Wild eingesetzt. Heutzutage sind sie aber auch zum Apportieren eingesetzt. Ebenfalls können sie im Wasser, zum Beispiel für die Entenjagd, genutzt werden. 

Deutscher Wachtelhund, English Springer Spaniel und English Cocker Spaniel. 

Die Teckel 

Teckel gelten als Spezialisten bei der Baujagd, sprich für die Jagd unter der Erde. Sie haben ein Gespür für zum Beispiel Hasen- oder Fuchsbauten und können aufgrund ihrer kleinen Größe in den Bauten auf Beutejagd gehen.  

Teckel, Dackel und Dachshund.

Die Terrier

Terrier gelten als zuverlässige Partner sowohl unter als auch über der Erde. Aufgrund ihres Temperaments benötigen sie aber eine sehr konsequente Erziehung

Der deutsche Jagdterrier, Foxterrier und Parson Russel Terrier.

Die Apportierhunde 

Sie sind die Spezialisten nach dem Schuss: Gibt der Jäger seinen Befehl, geben diese Hunde ihr bestes, das geschossene Wild aufzuspüren und zum Jäger zu bringen. Sie besitzen eine ausgezeichnete Nase und haben Schwimmhäute zwischen den Zehen, sodass diese Hunde auch kein Halt vor Wassergebieten machen. Zusätzlich gelten sie als familienfreundliche Hunde.

Der Labrador Retriever und der Golden Retriever.