Die Haltung von sogenannten Kampf- oder Listenhunden ist in Deutschland oftmals mit Vorschriften verbunden. Im edogs-Magazin geben wir Dir einen Überblick, welche Rassen 2020 in welchen Bundesländern zu der Einstufung Listenhund gehört.

Was sind Listenhunde?

Jede Hunderasse hat ihren Ursprung in unterschiedlichen Regionen und die Zucht ist an bestimmte Umstände angepasst. Manche Merkmale sind in der Genetik der Hunde fest verankert, obwohl sie für die heutige Haltung gar nicht mehr relevant sind. Es benötigt oft etliche Generationen, diese Merkmale herauszuzüchten. Solche Merkmale können zum Beispiel der Jagdtrieb beim Beagle oder der Instinkt des Hütens beim Australian Shepherd sein. Genauso betrifft dies auch Hunderassen, die ursprünglich als Arbeits-, Wach- oder Kampfhunde eingesetzt wurden. Sie sind grundsätzlich sehr aufmerksame Tiere, die manchmal ein erhöhtes Aggressionspotenzial haben können.

Deswegen werden manche Hunde auf einer bundesweit geltenden „Rasseliste“ geführt. Darüber hinaus regeln die einzelnen Bundesländer, welche Rassen zusätzlich in der Rasseliste aufgeführt werden. Als rechtliche Grundlage dient hierfür das Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz.

Umgangssprachlich werden Listenhunde auch als Kampfhunde bezeichnet, da diese Rassen ursprünglich für den Einsatz bei Hunde- und Bullenkämpfen gezüchtet wurden. Im 19. und 20. Jahrhundert traten verschiedene Hunderassen gegeneinander oder gegen Wölfe, Löwen, Dachse sowie Bullen in Kampfarenen an. Seit Ende des 20. Jahrhunderts sind Hundekämpfe jedoch verboten und die damals eingesetzten Rassen werden nicht mehr nach diesem Zuchtziel gezüchtet.

Kauf eines Listenhundes – Voraussetzungen & Pflichten

Vor dem Kauf eines Listenhundes solltest Du Dir unbedingt darüber im Klaren sein, dass diese Hunde oftmals eine besondere Art der Erziehung benötigen. Eine ausgeglichene Erziehung sollte angestrebt werden.

Es gibt kein einheitliches Gesetz zur Haltung von Listenhunden. Es macht Sinn, sich vor dem Kauf eines Listenhundes bei der zuständigen Behörde zu informieren. Auch Tierheime können hier weiterhelfen. Besonders sollte man darüber nachdenken, einen Listenhund aus dem Tierheim aufzunehmen, da diese meist nur schwer zu vermitteln sind.

Oftmals müssen sowohl vor dem Kauf als auch während des Haltens bestimmte Auflagen erfüllt werden:

  • der Halter muss volljährig sein
  • polizeiliches Führungszeugnis des Halters
  • Hundeführerschein
  • Versicherungspflicht (Hundehaftpflichtversicherung)
  • erhöhte Hundesteuer
  • Verbot für ausgewählte öffentliche Plätze und Einrichtungen
  • der Hund muss in der Öffentlichkeit einen Maulkorb tragen
  • Leinenzwang
  • der Hund muss einen Wesenstest absolvieren
  • Kastrations- und Sterilisationspflicht

Aber auch im eigenen Zuhause gilt es ein paar zusätzliche Auflagen zu erfüllen. So sollte der eigene Garten eingezäunt sein, damit der Hund sich dort frei bewegen kann. Bei gefährlichen Hunden solltest Du darauf geachtet werden, diese nicht unbeaufsichtigt mit Kindern spielen zu lassen.

Auch gegenüber fremden Personen sollte besondere Vorsicht geboten werden, vor allem im eigenen Heim. Der Hund könnte dies als “Einbruch” in sein Zuhause verstehen und ein aggressives Verhalten zeigen. Als Hundehalter sollte man immer besondere Vorsicht zeigen, andere Personen vorwarnen und im sichersten Fall den Hund anleinen oder für eine kurze Besuchszeit in einem separaten Raum unterbringen.

Welche Rassen gehören zu den Listenhunden in Deutschland?

Die bundesweit geltende Rasseliste beinhaltet die Rassen:

  • Pitbull Terrier
  • American-Staffordshire-Terrier
  • Staffordshire-Bullterrier
  • Bullterrier

Diese Hunderassen dürfen nicht nach Deutschland eingeführt werden. Auch die Zucht oder der Handel mit diesen Rassen ist verboten. Dies gilt sowohl für reinrassige Hunde als auch Mischlinge dieser Rasse. Für alle weiteren Hunderassen entscheidet jedes Bundesland selbst, ob es eine Verordnung erlässt, welche als gefährlich eingestuft werden und welche Bestimmungen die Halter einhalten müssen.

Listenhunde Deutschland: American Staffordshire Terrier läuft
Der American Staffordshire Terrier gilt in Deutschland als gefährlich.

Regelung in den einzelnen Bundesländern

Grundsätzlich regeln die jeweiligen Bundesländer den Umgang mit Listenhunden und legen selbst fest, welche überhaupt als solche gelten. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen existieren keine Listen.

Wenn du Dir Dir einen Hund anschaffen möchtest, der in einem Bundesland als Listenhund geführt wird, solltest Du Dich in Vorhinein genau über die einzuhaltenden Bestimmungen informieren. Denn in Deutschland gelten von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Voraussetzungen und Einteilungen.

Hier findest Du eine Übersicht mit den Bestimmungen der einzelnen Bundesländer:

In Baden-Württemberg wird in zwei Kategorien unterschieden: Kategorie 1 heißt „definitiv gefährlich“, Kategorie 2 heißt „gefährlich vermutet, aber widerlegbar“.

Zur Kategorie 1 wird zwar offiziell kein Hund zugeordnet, aber trotzdem wird bei folgenden Vierbeiner davon ausgegangen, dass sie gefährlich sind:

  • American Staffordshire Terrier
  • Bullterrier
  • Pitbull Terrier

Die Haltung dieser Hunde ist ab einem Alter von sechs Monaten erlaubnispflichtig und es muss ein berechtigtes Interesse des Halters nachgewiesen werden.

Zur Kategorie 2 gehören:

  • Bull­ma­stiff
  • Dogo Argen­tino
  • Dogue de Bor­deaux,
  • Fila Bra­si­leiro
  • Mastiff
  • Mastín Español
  • Mastino Napo­le­tano
  • Staf­fordshire Bull­ter­rier
  • Tosa Inu

Hier können ebenfalls Eigenschaften eines Kampfhundes vorliegen, jedoch nur, wenn konkrete Hinweise darauf hindeuten. Somit müssen die Rassen sich einer speziellen Prüfung unterziehen. Auch auf Kreuzungen dieser Rassen untereinander oder mit anderen Rassen beziehen sich diese beiden Listen. Die Haltung dieser Hunderassen erfordert eine Erlaubnis. Zusätzlich gelten Leinenzwang und Maulkorbpflicht.

In Bayern werden die bestimmten Hunderassen in zwei Kategorien unterteilt: In Kategorie 1 werden die Eigenschaften eines Kampfhundes stets vermutet. In Kategorie 2 werden kampfhundtypische Eigenschaften vermutet, sofern kein gegenteiliger Beweis erbracht wurde.

Zu Kategorie 1 (Gefährlichkeit nicht widerlegbar) gehören:

  • American Pit Bull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Bandog (Hund, der tagsüber angekettet und nachts zur Bewachung von Grundstücken auf diesen frei herumläuft. Übersetzt bedeutet “Bandog” “Kettenhund”. Meistens handelt es sich hierbei um großrahmige Hunde mit gesteigerter Aggressivität – keine anerkannte Rasse)
  • Staffordshire Bullterrier
  • Tosa Inu

Für alle Hunde dieser Kategorie muss eine Erlaubnis eingeholt werden. Diese wird nur erteilt, wenn ein berechtigtes Interesse zur Haltung nachgewiesen werden kann.

Zur Kategorie 2 (Gefährlichkeit vermutet, aber widerlegbar) gehören:

  • Alano
  • American Bulldog
  • Bullmastiff, Bullterrier
  • Cane Corso
  • Dogo Argentino
  • Dogue de Bordeaux
  • Fila Brasileiro
  • Mastiff
  • Mastin Espanol
  • Mastino Napoletano
  • Dogo Canario
  • Rottweiler

Für die Hunde dieser Kategorie muss ein Wesenstest durchgeführt werden.

In Berlin gibt es keine Kategorien. Folgende Rasse gelten laut einer Liste vom 01.01.2019 als gefährlich:

  • Pitbull-Terrier
  • American-Staffordshire-Terrier
  • Bullterrier

Ebenso auch Kreuzungen untereinander und mit anderen Rassen.

Für die Haltung dieser Rassen sind ein Sachkundenachweis, eine Haftpflichtversicherung, Führungszeugnis sowie ein Wesenstest Voraussetzungen. Auch mit einem bestandenem Wesenstest besteht eine Maulkorbpflicht, für die Leinenpflicht kann eine Ausnahme beantragt werden.

In Brandenburg wird in zwei Kategorien differenziert. Kategorie 1 beinhaltet Hunderassen und Gruppen, die als gefährlich gelten. Die Haltung und auch die Zucht dieser Rassen ist verboten. Hierzu zählen:

  • American Pitbull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Bullterrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • Tosa Inu

Kategorie 2 beinhaltet Hunde, für die eine Gefährlichkeitsvermutung gilt. Hier müssen Haltung und Zucht genehmigt werden. Bekommt der Hund ein Negativzeugnis, muss er eine grüne Plakette am Halsband tragen. Hunde dieser Kategorie sind:

  • Alano
  • Bullmastiff
  • Cane Corso
  • Dobermann
  • Dogo Argentino
  • Dogue de Bordeaux
  • Fila Brasileiro
  • Mastiff
  • Mastin Español
  • Mastino Napoletano
  • Perro de Presa Canario
  • Perro de Presa Mallorquin
  • Rottweiler

In Bremen gibt es keine Kategorieeinteilung. Das Halten folgender Rassen ist grund­sätz­lich ver­bo­ten:

  • Pit Bull Terrier
  • Bull­ter­rier
  • Ame­ri­can Staf­fordshire Terrier
  • Staf­fordshire Bull­ter­rier

Eine Ausnahme gilt, wenn sie als Fund­tiere oder aus einem Tier­heim in Bremen adop­tiert werden. Jedoch muss auch das von der ört­li­chen Behörde geneh­migt werden. Leinen- und Maul­korb­pflicht gelten generell. Wer als Urlau­ber aus einem anderen Bun­des­land anreist, muss sich keine Sorgen machen: Ein vorübergehender Aufenthalt ist gestattet, wird der Lis­ten­hund im Heimatbundesland korrekt und erlaub­ter­ Weise gehal­ten und werden die ent­spre­chen­den Papiere mit­ge­führt.

In Hamburg wird eine Unterscheidung zwischen Kate­go­rie 1 (Gefähr­lich­keit nicht wider­legbar) und Kate­go­rie 2 (Gefährlichkeit vermutet, aber widerlegbar) praktiziert. Zu Kategorie 1 zählen:

  • Ame­ri­can Pit Bull Terrier
  • Ame­ri­can Staf­fordshire Terrier
  • Staf­fordshire Bull­ter­rier
  • Bull­ter­rier

Bei Hunden der dieser Kate­go­rie ist eine Halteerlaubnis notwendig. Es bestehen Leinen- sowie Maul­korb­pflicht.

Zu Kategorie 2 zählen:

  • Bull­ma­stiff
  • Dogo Argen­tino
  • Dogue de Bor­deaux
  • Fila Bra­si­leiro
  • Kangal
  • Kau­ka­si­scher Owt­scharka
  • Mastiff
  • Mastin Español
  • Mastino Napo­le­tano
  • Rott­wei­ler
  • Tosa Inu

Hunde der Kate­go­rie 2 können über einen Wesens­test ein Nega­tiv­zeug­nis erlan­gen.

Hessen unternimmt keine Kategorieeinteilung. Bei folgenden Rassen wir eine Gefährlichkeit vermutet:

  • (Ame­ri­can) Pit Bull Terrier
  • (Ame­ri­can) Staf­fordshire Terrier
  • Staf­fordshire Bull­ter­rier
  • Bull­ter­rier
  • Ame­ri­can Bulldog
  • Dogo Argen­tino
  • Kangal
  • Kau­ka­si­scher Owt­scharka
  • Rott­wei­ler

Die Haltung dieser Hunderassen ist erlaubnispflichtig und es wird ein Sachkundenachweise sowie ein Wesenstest benötigt. Es gelten sowohl Leinen- als auch Maulkorbzwang. Die gelisteten Vierbeiner dürfen nur einzeln und von volljährigen Personen gehalten werden.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine Einteilung in Kategorien. Folgende Rassen gelten als wiederlegbar gefährlich:

  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bull Terrier
  • Bull Terrier

Es bedarf einer Hundeerlaubnis, die Vierbeiner dürfen nur einzeln geführt werden und es gelten Leinen- und Maulkorbzwang.

In Niedersachsen gibt es keine Listenhunde. Seit 2002 wurde die zuvor beschlossene Rasseliste vom Bundesverwaltungsgericht für nichtig erklärt. Grund für diese Erklärung war eine Gesetzeslücke im Landesgesetz.

Im Jahr 2011 gab es eine Neufassung des Gesetzes. Auch diese blieb ohne Rasseliste, weil Experten der Meinung sind, dass das Verhalten des Hundehalters eine maßgebliche Rolle spielt. Die Erziehung des Hundes, die Haltungsform und die Sachkunde des Hundebesitzers sind von großer Bedeutung.

In Nordrhein-Westfalen gibt es eine Rasseliste, wobei in zwei Kategorien unterschieden wird.

Zu den Hunden der Kategorie 1 zählen:

  • Pitbull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • Bullterrier

Zu Kategorie 2 gehören:

  • Alano
  • American Bulldog
  • Bullmastiff
  • Mastiff
  • Mastín Español
  • Mastino Napoletano
  • Fila Brasileiro
  • Dogo Argentino
  • Rottweiler
  • Tosa Inu

Besitzer dieser Hunde müssen einen Erlaubnis der örtlichen Behörde vorweisen. Bei den Vierbeiner der zweiten Kategorie ist diese aber einfacher zu erlangen, da der Halter einen Sachkundenachweise vorweisen muss. Außerdem gilt Leinenzwang sowie eine Tierkennzeichnung durch einen Transponder.

In Rheinland-Pfalz wird nicht nach Kategorien unterschieden. Folgende Rassen gelten als gefährlich:

  • Ame­ri­can Staf­fordshire Terrier
  • Staf­fordshire Bull­ter­rier
  • Hunde des Typs Pit Bull Terrier

Die Haltung dieser Hunderasse ist erlaubnispflichtig, die ein begrün­de­tes Inter­esse vorweisen muss.

Im Saarland wird nicht nach Kategorien unterschieden. Folgende Rasse sind erlaubnispflichtig:

Ame­ri­can Staf­fordshire Terrier

Staf­fordshire Bull­ter­rier

Ame­ri­can Pit Bull Terrier.

Die vermutete Gefährlichkeit kann mittels eines Wesenstest widerlegt werden.

Sachsen gibt es keine Einteilung in Kategorien. Folgende Rassen gelten als gefährlich:

  • Ame­ri­can Staf­fordshire Terrier
  • Bull­ter­rier
  • Pit Bull Terrier

Für diese Rassen herrscht eine Leinen- und Maul­korb­pflicht.

Sachsen-Anhalt hat 2009 eine Rasseliste einführt. Folgende Hunderassen gelten als gefährlich:

Pit Bull Terrier

Ame­ri­can Staf­fordshire Terrier

Staf­fordshire Bull­ter­rier

Bull­ter­rier

Diese Rasse müssen sich einem Wesenstest unterziehen. Wird dieser bestanden, ist die Gefährlichkeit widerlegt. Bei Nicht­be­stehen jedoch ist die Haltung des Hundes erlaub­nis­pflich­tig. Für den Hund gelten Leinen- und Maul­korb­pflicht. Der Halter muss einige Voraussetzungen erfüllen: Volljährigkeit, Sachkunde und persönliche Eignung.

Im Jahr 2016 hat Schleswig-Holstein die Rasseliste abgeschafft. Dafür gelten für alle Hundehalte strengere Haltungsanforderungen als in anderen Bundesländern, wie beispielsweise die Versicherungs- und Kennzeichnungspflicht (Transponderchip).

Seit dem Jahr 2018 gibt es in Thüringen keine Rasseliste mehr. Stattdessen muss ein Hund von der zuständigen Behörde als gefährlich eingestuft werden. Dies erfolgt durch einen Wesenstest.

Halter müssen dann einen Sachkundenachweis erbringen.

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Michelle Holtmeyer