Listenhunde

Was sind Listenhunde?

Jede Hunderasse hat ihren Ursprung in unterschiedlichen Regionen und die Zucht ist an bestimmte Umstände angepasst. Manche Merkmale sind in der Genetik der Hunde fest verankert, obwohl sie für die heutige Haltung gar nicht mehr relevant sind. Es benötigt oft etliche Generationen, diese Merkmale herauszuzüchten. Solche Merkmale können zum Beispiel der Jagdtrieb beim Beagle oder der Instinkt des Hütens beim Australian Shepherd sein. Genauso betrifft dies auch Hunderassen, die ursprünglich als Arbeits-, Wach- oder Kampfhunde eingesetzt wurden. Sie sind grundsätzlich sehr aufmerksame Tiere, die manchmal ein erhöhtes Aggressionspotenzial haben.

Deswegen werden manche Hunde auf einer bundesweit geltenden „Rasseliste“ geführt. Darüber hinaus regeln die einzelnen Bundesländer, welche Rassen zusätzlich in der Rasseliste aufgeführt werden. Als rechtliche Grundlage dient hierfür das Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz.

Umgangssprachlich werden Listenhunde auch als Kampfhunde bezeichnet, da diese Rassen ursprünglich für den Einsatz bei Hunde- und Bullenkämpfen gezüchtet wurden. Im 19. und 20. Jahrhundert traten verschiedene Hunderassen gegeneinander oder gegen Wölfe, Löwen, Dachse sowie Bullen in Kampfarenen an. Seit Ende des 20. Jahrhunderts sind Hundekämpfe jedoch verboten und die damals eingesetzten Rassen werden nicht mehr nach diesem Zuchtziel gezüchtet.

Welche Rassen gehören zu den Listenhunden in Deutschland?

Die bundesweit geltende Rasseliste beinhaltet die Rassen Pitbull Terrier, American-Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier. Diese Hunderassen dürfen nicht nach Deutschland eingeführt werden. Dies gilt sowohl für reinrassige Hunde als auch Mischlinge dieser Rasse. Für alle weiteren Hunderassen entscheidet jedes Bundesland selbst, ob es eine Verordnung erlässt, welche als gefährlich eingestuft werden und welche Bestimmungen die Halter einhalten müssen.

In der unten stehenden Liste sind alle betreffenden Rassen aufgeführt, die in einem oder mehreren Bundesländern bestimmten Auflagen unterliegen. Hunderassen der Kategorie 0 werden von den Ländern im Allgemeinen mit einem erhöhten Gefahrenrisiko eingestuft, aber keiner Kategorie eingeordnet sind. Die Kategorie I regelt, welche Hunderassen nur mit einem berechtigten Interesse in dem Bundesland eingeführt oder gehalten werden dürfen. Ein berechtigtes Interesse besteht, wenn die Hunde Dienst-, Rettungs-, Blinden- oder Behindertenbegleithunde sind. In der Kategorie II sind die Hunderassen zu finden, die bestimmten Haltungsauflagen unterliegen. Seit Anfang 2018 hat die Landesregierung Thüringen die Rasseliste abgeschafft.

Rasse Kategorie 0 Kategorie I Kategorie II
Alano BY, BB, NW
American Pitbull Terrier BE, HB, HE, MV, RP, SL, SN, ST BY, BB, HH, NW BW
American Staffordshire Terrier BE, HB, HE, MV, RP, SL, SN, ST BY, BB, HH, NW BW
Bandog BY
Bullmastiff BE BW, BY, BB, HH, NW
Bullterrier BE, HB, HE, MV, SN, ST BB, HH, NW BW, BY
Cane Corse Italiano BY, BB
Dobermann BB
Dogo Argentino BE, HE BW, BY, BB, HH, NW
Dogo Canario BY, BB
Dogue de Bordeaux BW, BY, BB, HH
Fila Brasileiro BE, HE BW, BY, BB, HH, NW
Kangal HE HH
Kaukasischer Owtscharka HE HH
Mastiff BE BW, BY, BB, HH, NW
Mastín Español BE BW, BY, BB, HH, NW
Mastino Napoletano BE BW, BY, BB, HH, NW
Perro de Presa Mallorquin BY, BB
Rottweiler HE BY, BB, HH, NW
Staffordshire Bullterrier HB, HE, MV, RP, SL, ST BY, BB, HH, NW BW
Tosa Inu BE BY, BB BW, HH, NW

Länderkürzel: BB: Brandenburg, BW: Baden-Württemberg, BY: Bayern, BE: Berlin, HB: Bremen, HE: Hessen, HH: Hamburg, MW: Mecklenburg-Vorpommern, NW: Nordrhein-Westfalen, RP: Rheinland-Pfalz, SL: Saarland, SN: Sachsen, ST: Sachsen-Anhalt

Was muss ich bei der Haltung eines Listenhundes beachten?

Wenn du dir einen Hund anschaffen möchtest, der in einem Bundesland als Listenhund geführt wird, solltest du dich in Vorhinein genau über die einzuhaltenden Bestimmungen informieren. Hierbei können die auch Tierheime, Tierschutzorganisationen oder der Züchter deines Hundes behilflich sein. In jedem Fall muss jeder Hundehalter eine Haftpflichtversicherung abschließen, die bei einem Zwischenfall für entstandene Sach- oder Personenschäden aufkommt. Die Angebote für Hundehaftpflicht für alle Rassen sind sehr breit gefächert und bieten unterschiedliche Angebote. Vergleichen lohnt sich hier in jedem Fall! Im Allgemeinen haben manche Listenhunde eine Leinen- und bzw. oder Maulkorbpflicht um das Gefahrenrisiko gegenüber anderen Hunden und Menschen zu senken. Halter anderer Rassen müssen wiederum einen Wesenstest ablegen. Bei diesen Prüfungen muss der Hund verschiedene Situationen meistern. Dazu gehören Konfrontationen mit Joggern und Menschen, die mit Fahrrädern unterwegs sind. Außerdem wird der Hund beim Kontakt mit Artgenossen eingeschätzt und die Prüfer begutachten den Umgang zwischen Halter und Tier.

Wichtig ist, dass der Hund sich in diesen Situationen stets am Halter orientiert und alle Kommandos befolgt. Dazu gehört, dass das Tier eine klare Rangordnung kennt, wobei der Mensch stets die Führung des Rudels übernimmt. Selbst wenn der Hund aufgeregt oder gestresst reagiert, muss der Besitzer in der Lage sein, ihn mit einer ruhigen und bestimmten Art zu führen.

Zur Vorbereitung auf einen Wesenstest bieten viele Hundeschulen separate Kurse an, in denen die Besitzer mit ihren Hunden die Prüfungsinhalte konkret trainieren können. Erst mit einem bestandenen Wesenstest darf der Hundebesitzer sein Tier rechtmäßig führen.

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