Listenhunde – wirklich gefährlich?!

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Was ist ein Listenhund? 

Zu den sogenannten Listenhunden gehören Hunde, welche aufgrund ihrer Rasse als gefährlich eingestuft werden. Sie stehen auf einer sogenannten “Rasseliste”. Daher auch die Bezeichnung. Diese Hunde stammen aus Züchtungen der Kampfhunde, welche speziell für Tierkämpfe gezüchtet wurden. 

Heute sind Tierkämpfe in Deutschland verboten. Dennoch werden gefährliche Eigenschaften in den Züchtungen vermutet. Im Volksmund wird deshalb von sogenannten “Kampfhunden” gesprochen. Damit Gefahren, wie beispielsweise ein Hundebiss, für die Bevölkerung durch solche Hunde verringert werden können, gelten bestimmte Rassen als Listenhunde und müssen besondere Auflagen erfüllen. 

Welche Eigenschaften können Listenhunde besitzen?  

Hunde, die auf der Rasseliste stehen, gelten als grundsätzlich gefährlich. Ursprünglich wurden sie für Tierkämpfe gezüchtet und besitzen somit Kampfhund-typische Eigenschaften, wie zum Beispiel 

  • gesteigerte Aggressivität
  • mehr Kraft und Muskulatur 
  • stärkeres Beißvermögen 
  • geringere Reizschwelle 

Es heißt aber nicht, dass so ein Hund garantiert eines Tages zu beißt. Vielmehr ist hier die Erziehung ausschlaggebend. Die meisten Beißattacken sind auf fehlende Sachkunde des Hundehalters und auf eine falsche Erziehung zurückzuführen. 

Welche Rassen gehören zu den Listenhunden? 

Zu den als Listenhund eingestuften Rassen gehören folgende Hunderassen

Alano, American Bulldog, American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bandog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso Italiano, Dobermann, Dogo Argentino, Dogo Canario, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Perro de Presa Mallorquin, Rottweiler, Staffordshire Bullterrier, Tosa Inu 

Die Rassen Pitbull Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier dürfen nicht nach Deutschland eingeführt, gezüchtet oder gehandelt werden. Alle anderen Rassen unterliegen den Landesgesetzen. Dies gilt auch für Kreuzungen dieser Rassen. 

Wie erfolgt die Einstufung?

Grundsätzlich regeln die jeweiligen Bundesländer den Umgang mit Listenhunden und legen selbst fest, welche überhaupt als solche gelten. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen existieren keine Listen. 

In den anderen Bundesländern gibt es Einstufungen: Die in der Kategorie I als gefährlich eingestuften Hunde gelten als gefährlich und dürfen nur mit berechtigtem Interesse gehalten werden. Hunde der Kategorie II dürfen nur unter bestimmten Auflagen gehalten werden. Die Kategorie 0 besagt, dass der Hund zwar als Kampfhund gilt, jedoch auf keiner speziellen Liste steht. 

Der Umgang mit einem Listenhund 

Du bist Halter eines Listenhundes oder möchtest einer werden? Dann solltest du folgende Eigenschaften unbedingt mitbringen:

  • ruhige Ausstrahlung  
  • Durchsetzungskraft 
  • Konsequenz 
  • geistige & körperliche Bestätigung 
  • besonders viel Zeit, um dem Hund gerecht werden zu können 

Kauf eines Listenhundes – Voraussetzungen & Pflichten

Vor dem Kauf eines Listenhundes sollte man sich unbedingt darüber im Klaren sein, dass diese Hunde eine besondere Art der Erziehung benötigen. Eine ausgeglichene Erziehung sollte angestrebt werden. 

Es gibt kein einheitliches Gesetz zur Haltung von Listenhunden. Es macht Sinn, sich vor dem Kauf eines Listenhundes bei der zuständigen Behörde zu informieren. Auch Tierheime können hier weiterhelfen. Besonders sollte man darüber nachdenken, einen Listenhund aus dem Tierheim aufzunehmen, da diese meist nur schwer zu vermitteln sind. 

Oftmals müssen sowohl vor dem Kauf als auch während des Haltens bestimmte Auflagen erfüllt werden: 

  • der Halter muss volljährig sein 
  • polizeiliches Führungszeugnis des Halters
  • Hundeführerschein 
  • Versicherungspflicht (Hundehaftpflichtversicherung)
  • erhöhte Hundesteuer
  • Verbot für ausgewählte öffentliche Plätze und Einrichtungen 
  • der Hund muss in der Öffentlichkeit einen Maulkorb tragen 
  • Leinenzwang 
  • der Hund muss einen Wesenstest absolvieren 
  • Kastrations- und Sterilisationspflicht

Aber auch im eigenen Zuhause gilt es ein paar zusätzliche Auflagen zu erfüllen. So sollte der eigene Garten eingezäunt sein, damit der Hund sich dort frei bewegen kann. Bei gefährlichen Hunden sollte darauf geachtet werden, diese nicht unbeaufsichtigt mit Kindern spielen zu lassen.

Auch gegenüber fremden Personen sollte besondere Vorsicht geboten werden, vor allem im eigenen Heim. Der Hund könnte dies als “Einbruch” in sein Zuhause verstehen und ein aggressives Verhalten zeigen. Als Hundehalter sollte man immer besondere Vorsicht zeigen, andere Personen vorwarnen und im sichersten Fall den Hund anleinen oder für eine kurze Besuchszeit in einem separaten Raum unterbringen. 

Das sagt ein Listenhund-Besitzer

Chico – Kampfhund oder Opfer? 

Der Fall aus dem Jahr 2018 kennen wohl viele – Chico, ein Staffordshire-Terrier-Mischling, der seine zwei Besitzer tot gebissen hat. 

Der Fall Chico sorgte für großes Aufsehen. Wie konnte es dazu kommen? Die einen betonen die Gefährlichkeit von Kampfhunden, die anderen sehen Chico als Opfer falscher Erziehung und Behördenversagen an. In Hannover gab es sogar eine Mahnwache für den schließlich eingeschläferten Hund. 

Das aggressive Hunde so eskalieren, dass sie Menschen töten, kommt nur sehr selten vor. Dennoch muss man sich ihrer Gefahr bewusst sein. Oftmals wird ihre Art durch eine fehlerhafte Erziehung unterstützt und begünstigt. 

Chico ist ein Extrembeispiel. Fälle, in denen Menschen von Hunden gebissen werden, gibt es jedoch öfter. Deutschlandweit waren das im Jahr 2018 rund 625 Fälle, in denen Menschen von Hunden angefallen wurden. Dabei handelte es sich nicht nur um Listenhunde, sondern zum Großteil sogar um Mischlingshunde

Regelungen in den einzelnen Bundesländern 

In Baden-Württemberg gibt es zwei sogenannte Rasselisten: Auf der einen Liste stehen die Rassen American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier. Bei diesen Hunden wird von Kampfhund-typischen Eigenschaften ausgegangen, bis die Eigenschaften, zum Beispiel durch einen Wesenstest, widerlegt wurden.  

Auf der zweiten Liste stehen neun weitere Rassen. Hier können ebenfalls Eigenschaften eines Kampfhundes vorliegen, jedoch nur, wenn konkrete Hinweise darauf hindeuten. Auch auf Kreuzungen dieser Rassen untereinander oder mit anderen Rassen beziehen sich diese beiden Listen. 

Die Haltung dieser Hunderassen erfordert eine Erlaubnis. Zusätzlich gelten Leinenzwang und Maulkorbpflicht

In Baden-Württemberg gibt es darüber hinaus auch eine Festlegung zu “gefährlichen Hunden”, welche sich auf alle Rassen bezieht. Diese gelten nicht als Kampfhund, werden aber als gefährlich eingestuft. 

In Bayern gibt es 18 verschiedene Rassen, welche als Listenhunde gelten. Zusätzlich gibt es noch einen weiteren Eintrag auf der Liste. 

Hierbei handelt es sich nicht um eine anerkannte Rasse, sondern vielmehr um haltungs- und erziehungsbedingte Merkmale, die der Hund aufweist. Der sogenannte “Bandog” beschreibt einen Hund, welcher tagsüber angekettet und nachts zur Bewachung von Grundstücken auf diesen frei herumläuft. Übersetzt bedeutet “Bandog” “Kettenhund”. Meistens handelt es sich hierbei um großrahmige Hunde mit gesteigerter Aggressivität. 

In Bayern werden die bestimmten Hunderassen ebenfalls in zwei Kategorien unterteilt: In Kategorie 1 werden die Eigenschaften eines Kampfhundes stets vermutet. In Kategorie 2 werden kampfhundtypische Eigenschaften vermutet, sofern kein gegenteiliger Beweis erbracht wurde. 

Für alle Hunde, die als Listenhund gelten, muss eine Erlaubnis eingeholt werden. Diese wird nur erteilt, wenn ein berechtigtes Interesse zur Haltung nachgewiesen werden kann. 

Hier eine Übersicht der Listenhunde in Bayern: 

Kategorie 1: American Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bandog, Staffordshire Bullterrier, Tosa Inu 

Kategorie 2: Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Dogo Canario, Rottweiler 

In Berlin gelten Pitbull-Terrier, American-Staffordshire-Terrier und Bullterrier als gefährlich. Ebenso auch Kreuzungen untereinander und mit anderen Rassen. Weitere als gefährlich geltende Rassen sind: Pit-Bull, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Tosa Inu, Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano und Mastiff.

In Brandenburg wird in zwei Kategorien differenziert. Kategorie 1 beinhaltet Hunderassen und Gruppen, die als gefährlich gelten. Hierzu zählen: American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier und Tosa Inu. Die Haltung und auch die Zucht dieser Rassen ist verboten

Kategorie 2 beinhaltet Hunde, für die eine Gefährlichkeitsvermutung gilt. Hier müssen Haltung und Zucht genehmigt werden. Bekommt der Hund ein Negativzeugnis, muss er eine grüne Plakette am Halsband tragen. Hunde dieser Kategorie sind Alano, Bullmastiff, Cane Corso, Dobermann, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Español, Mastino Napoletano, Perro de Presa Canario, Perro de Presa Mallorquin und Rottweiler.

In Mecklenburg-Vorpommern gelten alle Hunde, welche ein aggressives Verhalten gezeigt haben, als “gefährliche Hunde”. Insbesondere zählen hierzu die Rassen American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bull Terrier, Bull Terrier und deren Kreuzungen.

Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es eine Rasseliste. 

Zu den Hunden zählen folgende:  Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier. Kreuzungen mit diesen Rassen sind nicht erlaubt. 

Ebenfalls gelten auch für die Rassen Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu gesetzliche Auflagen

Besitzer dieser Hunde müssen einen Sachkundenachweis erbringen. Außerdem gilt Leinenzwang sowie eine Tierkennzeichnung durch einen Transponder. 

In Sachsen-Anhalt gibt es seit 2009 eine Rasseliste. Hunde dieser Liste müssen sich einem Wesenstest unterziehen, ansonsten dürfen sie nicht gehalten werden. Gilt der Test als bestanden, müssen sie keine weiteren Auflagen erfüllen. In Sachsen-Anhalt gibt es keine Kastrationspflicht und kein Zuchtverbot. 

Der Halter muss einige Voraussetzungen erfüllen: Volljährigkeit, Sachkunde und persönliche Eignung.

In Schleswig-Holstein gelten keine Rasselisten. Stattdessen werden Hunde, die auffällig geworden sind, als gefährlich eingestuft. Dies ist der Fall, wenn ein Mensch gebissen wurde, andere Hunde oder Tiere gebissen wurden, der Hund unkontrolliert Tiere gerissen hat oder ein aggressives Verhalten gezeigt hat. Geprüft wird die Gefährlichkeit durch das zuständige Amt.

Seit dem Jahr 2018 gibt es in Thüringen keine Rasseliste mehr. Stattdessen muss ein Hund von der zuständigen Behörde als gefährlich eingestuft werden. Dies erfolgt durch einen Wesenstest.

Halter müssen dann einen Sachkundenachweis erbringen. 

In Niedersachsen gibt es keine Listenhunde. Seit 2002 wurde die zuvor beschlossene Rasseliste vom Bundesverwaltungsgericht für nichtig erklärt. Grund für diese Erklärung war eine Gesetzeslücke im Landesgesetz. 

Im Jahr 2011 gab es eine Neufassung des Gesetzes. Auch diese blieb ohne Rasseliste, weil Experten der Meinung sind, dass das Verhalten des Hundehalters eine maßgebliche Rolle spielt. Die Erziehung des Hundes, die Haltungsform und die Sachkunde des Hundebesitzers sind von großer Bedeutung.